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3.5. Lernplattformen - Funktionen, Aufgaben, Kriterien für Lehrende

3.5.1. Was ist ein Learning Management System (LMS)?

Eine Lernplattform, auch Learning Management System (LMS) genannt, ermöglicht viele Lernszenarien und integriert verschiedene Teilprogramme, angefangen bei der Bereitstellung von Lernmedien und der Organisation von Lernvorgängen über die Verwaltung der Lernenden (Anmeldung, Prüfung, Tests) bis hin zur Produktion von digitalen Lernangeboten durch die Lehrenden. Alle Lernplattformen bieten Kommunikationsmöglichkeiten wie Chats und Foren zwischen Lehrenden und Lernenden und dienen somit als Schnittstelle zwischen beiden. LMS dienen im Wesentlichen dazu, Nutzer*innen, Lehrende, Lerninhalte, E-Learning-Kurse und Micro-Learning-Einheiten von einer zentralen Stelle aus einzuspeisen und zu verwalten.
Zu der Vielzahl integrierter Anwendungsprogramme und Medienformaten von Lernplattformen gehört etwa die Verteilung von Lernmaterialien in Kursangeboten, die für Interessierte nach der Registrierung zur Teilnahme freigeschaltet werden.
Viele Fort- und Weiterbildungsanbieter arbeiten mit Lernplattformen, um Lehrmaterialien und E-Learning-Angebote bereitzustellen. Es gibt aber auch Lernplattformen, die mit einer sogenannten Autorensoftware arbeiten und eher darauf ausgerichtet sind, den Lehrenden bei der Produktion von digitalen Lernformaten zu helfen.
Folgende Anforderungen, Angebote und Funktionen kann über ein LMS umgesetzt werden:
1. Standardisierte Schulungen (Kurse) – auch sich wiederholende Pflichtschulungen, die nachweisbar absolviert werden müssen – automatisierte Erinnerungen und Nachweise
2. Vertiefende Angebote für Spezialisierungen, Fort- und Weiterbildungen, Terminplanungen inkl. Möglichkeit von externen Buchungen bzw. Anmeldungen
3. Nutzer- und Rollenverwaltung, Terminsteuerungen, Kalender, Ressourcen-Management
4. Angebot für digitale Lernplätze und interne und externe Lerninhalte, die in Kursen hinterlegt sind
5. Grundlegende Kommunikationsangebote wie Chat oder Foren
Die Grundfunktionen von Learning Management Systemen lassen sich damit folgenden Aufgabenbereichen zuordnen:
LMS – Managen:
  • Personen
  • Kurse
  • Inhalte
  • Wissen
LMS – Verwalten
  • Rollen
  • Rechte
  • Zertifikate
  • Lernprozesse, Lernpfade

3.5.2. Learning Experience Plattformen LXP (Lernerfahrungs-Plattform)

Mit den immer rasanter wechselnden Trainingsanforderungen – Stichworte wie lebenslanges Lernen, adaptives Lernen und Engagement Learning zeigen das – hat sich in den letzten Jahren ein Bedarf an flexibleren Lernumgebungen herausgebildet.
Längst reicht es nicht mehr, allgemein ausgerichtete Lernumgebungen zu schaffen. Vielmehr gilt es, schneller und gezielter auf notwendige Fort- und Weiterbildungsangebote zu reagieren und den Bedarf immer individueller anzupassen. So werden im E-Learning inzwischen eine Reihe speziell entwickelter Tools und Technologien zur Verfügung gestellt, um personalisiertes Lernen zu ermöglichen. Solche Lernumgebungen, die den Lernenden unterschiedliche Erfahrungen und Lernziele ermöglichen, nennt man Learning Experience Plattformen (LXPs).
Learning Experience Plattformen (LXP) geben den Nutzer*innen also das Heft in die Hand beim Entdecken neuer Lernmöglichkeiten. Daher werden sie auch als lernerzentrierte Software bezeichnet. Im Unterschied zu LMS nutzen LXPs nicht nur Lerninhalte des vorhandenen LMS, sondern kombinieren sie aus verschiedenen webbasierten Quellen. Mithilfe personalisierter Empfehlungen, statistischer Auswertungen und intelligenter Verarbeitung der Nutzer*innendaten ermöglichen LXPs die Bereitstellung individuell angepasster Lerneinheiten.
LXP können auf vorhandene Nutzer- und Seminarverwaltungsprogramme zurückgreifen, aber auch auf externe Angebote und Veranstaltungen aufmerksam machen sowie auf Foren und Beiträge verweisen, die aktuelle Themen diskutieren, wie z. B. Digitale Transformation oder Design-Thinking.
Der Vorteil für die Lernenden: Sie sind nicht durch feste Inhaltskataloge oder Kursformate eingeschränkt, sondern können selbstständig interessante Themen für sich entdecken, während sie zugleich von der Plattform zu relevanten, individualisierten Inhalten hingeführt werden. LXP unterstützen verschiedene Lerntypen, darunter problembasiertes Lernen, gruppenbasiertes Lernen, ILT (Instructor-led-Training), selbstorganisiertes Lernen mit Lernbegleitung, Blended Learning mithilfe von Micro-Learning und Gamification etc. (siehe oben).
Folgende Anforderungen, Angebote und Funktionen kann ein LXP erfüllen:
1. Kontinuierliche Kompetenzentwicklung in Bezug zu den Arbeitsanforderungen und den Entwicklungsmöglichkeiten. Durch stetig neue und passende Lernangebote wird individuelles Lernen verbessert.
2. Lernende lernen kollaborativ und voneinander. Expert*innen und Moderator*innen können ihr Wissen über Abteilungs- und Kursstrukturen hinaus anderen Interessierten zur Verfügung stellen.
3. Die Funktionen dieser Lernplattformen eignen sich für den Aus- und Aufbau von Fachwissen, fördern Veränderungsbereitschaft der Lernenden und befähigen diese, neue (digitale) Technologien auszuprobieren.
LXP – Finden und Entdecken
  • Expert*innen
  • Mentor*innen
  • Veranstaltungen mit dem Kontext zum Lernen
  • Trends (z.B. Digitale Transformation, Design Thinking …)
LXP – Vernetzen
  • Soziales Lernen
  • Lernangebote interner und externer Anbieter/Quellen
  • Informationsaustausch über das Unternehmen/die Organisation hinaus
  • Unterschiedliche Angebote verschiedener Lernformate und Wissensmultiplikatoren
Die Weiterentwicklung des E-Learning in Richtung LXP bedeutet nicht, dass LMS damit ihren Nutzen verloren haben. Vielmehr liegt der Nutzen momentan noch in der Vernetzung beider Systeme. Entscheidend ist die Schnittstelle zwischen beiden Systemen, die einerseits auf die Nutzer*innen-Daten und Grundkursangebote des vorhandenen LMS zugreifen kann und somit auf das Management und die Verwaltung, ohne dass neue ggf. sogar verschiedene Tools dafür verwendet werden müssen. Andererseits werden über ein LXP Zugriffgriffe auch auf externe, schon vorhandene Lehr-Lernangebote ermöglicht und weiterführende kollaborative Lernformen eröffnet.
Abb. 22: LMS- und LXP-Funktionen und Schnittstellen

3.5.3. Kriterien beim Einsatz eines LMS/LXP für Lehrende

Die Entscheidung, welche Lernplattform für eine Institution/Organisation zum Einsatz kommt, sollte auch von Dozenten*innen und Referent*innen begleitet werden. Denn sie sind diejenigen, die die Plattform zum Lernerlebnis machen.
Der Umgang mit einem LMS/LXP stellt bestimmte Anforderungen an Methodik und Didaktik, denen Dozent*innen und Referent*innen gewachsen sein sollten. Für viele ergibt sich daraus ein Qualifikationsbedarf, der von Institutionen/Organisationen, die ein LMS/LXP nutzen, gewährleistet werden muss.
Folgende Punkte sind dabei zu beachten:
  • Die Lehrenden benötigen einen sicheren Umgang mit digitalen Medien: Sie kennen sich mit unterschiedlichen digitalen Datei-Formaten aus und wissen, wie man PDFs erstellt, Videos und Podcast aufruft, Lernaktivitäten bedient bzw. ggf. selbst erstellt sowie Dateien up- und downloadet.
  • Die Lehrenden sollten mit der Bedienung und Nutzung digitaler Werkzeuge vertraut sein, sich mit Videokonferenz- bzw. Webinar-Tools auskennen und kollaborative digitale Tools nutzen können.
  • Die Lehrenden benötigen Kenntnisse zum Anmeldevorgang, zum Login, zum grundlegenden Support bei technischen Problemen der Lernenden, zum Einrichten von Kursen und Bearbeiten von Lernpfaden.
  • Die Lehrenden müssen sich einarbeiten in integrierte Tools des LMS/LXP zur Erstellung von Lernaktivitäten sowie zu Test- und Prüfungsabläufen.
  • Die Möglichkeiten des gemeinsamen Austausches durch Chat- und Forenbereiche, Blogs, Portfolio, Mailverkehr und/oder Kommentierungen müssen den Lehrenden vertraut sein.
  • Zwingend erforderlich sind Kenntnisse über digitale Lehr-Lernformate, die Möglichkeiten von Blended Learning und Flipped Classroom, um entsprechende Lernszenarien u.a. mithilfe von Lernpfaden und entsprechendem digitalen Lernmaterial umsetzen zu können.
  • Vorhanden sein sollten auch Kenntnisse über den Aufbau und die Strukturierung von digitalen Wissensdatenbanken. Dateiablagen, Pools und digitale Bibliotheken unterschiedlicher Lernmaterialien sollten verfügbar sein.
  • Lehrende sollten die Bereitschaft mitbringen, sich ständig den neuen digitalen Herausforderungen und Anforderungen zu stellen und das „lebenslange Lernen“ selbst zu praktizieren.
Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die einzelnen Schritte der Einführung eines LMS. Ab Punkt 2 sollten die Erfahrungen der Dozent*innen und Referent*innen einbezogen werden.
Abb. 23: Projektablauf Implementierung eines LMS