Der Wert von Communities und Netzwerken und wie man ihn misst

Eitle Kennzahlen

Die Anzahl an durchgeführten Events, neuen und alten Mitgliedern oder auch von Postings in sozialen Medien/Plattformen werden gerne als Kennzahlen des Erfolgs dargestellt. Sie sind jedoch lediglich Indikatoren dafür, ob Ereignisse attraktiv sind und ob das Angebot die Mitglieder erreicht. Sie können also gut herangezogen werden, um zu erörtern, ob die Mechanismen, Plattformen sowie Informationsflüsse funktionieren und die richtige Zielgruppen ansprechen. Sie zeigen aber nicht ob Communities und Netzwerke ihren Zweck dann tatsächlich erfüllen, nämlich den, dass die Mitglieder sich austauschen, etwas voneinander lernen und das Gelernte auch wirklich anwenden und so gewünschte Veränderung anstoßen können.
Communities und Netzwerke sind soziale Lernräume. Das bedeutet, dass auch ihr Erfolg im Lernen gemessen wird.
Dazu sollte man sich detailliert ansehen, welcher Mehrwert für die individuellen Mitglieder entsteht. Etienne und Beverly Wenger-Trayner beschreiben dazu in Learning in Social Spaces vier Wert-Dimensionen, durch welche dieser ausgedrückt wird.
Lernen als Wertschöpfungszyklus nach Wenger-Trayner „Learning to Make a Difference“, 2020
Das Messen verschiedener Dimensionen bietet eine solide Grundlage, um herauszufinden, ob tatsächlich Lernerlebnisse stattfinden und wie ausgeprägt diese dann sind. Das kann durch Umfragen und Rückmeldungen geschehen, aber auch durch Gespräche mit den Mitgliedern, die dann als Berichte festgehalten werden. Erfolgreiche Communities erzeugen viele dieser Referenzen durch ihre Mitglieder. Sie dienen zum Aufzeigen des Wertes der Gemeinschaft und inspirieren die Mitglieder sich aktiv einzubringen und ihre Perspektiven zu teilen.
Der unmittelbare Wert beschreibt die Erlebnisse in einem Netzwerk oder einer Community und die Art der Auswirkungen auf das Mitglied. Kurz: Der Wert beschreibt, wie sich etwas anfühlt.
Beispiele hierfür sind die Identifikation mit Anderen, das Gefühl Teil von etwas Größerem zu sein, sich einem wichtigen Themen zuwenden zu können, Anerkennung zu erfahren, aber auch aus der eigenen Komfortzone gedrückt zu werden.
Der potenzielle Wert stellt alles das dar, was über das direkte Erlebnis des Mitglieds hinausgeht. Abgebildet ist, was erst zu einem späteren Zeitpunkt einen Mehrwert schafft.
Beispiele hierfür sind Ideen, die gemeinschaftlich formuliert wurden, Geschichten von Anderen, Erkenntnisse und Ressourcen, die kooperativ erstellt oder untereinander geteilt wurden. Dazu gehören zum Beispiel Handbücher und Vorlagen, aber auch neue Kontakte und das Finden potenzieller Kollaborateure.
Unter dem angewandten Wert versteht man alle Aspekte, die ein Mitglied im Netzwerk oder in der Community aufgenommen hat und anwenden, adaptieren und wiederverwenden konnte.
Das können z.B. eine wiederverwendete Vorlage sein, ein angenommener Ratschlag oder die Adaption einer Idee. Dazu gehört auch ein größeres Selbstvertrauen, wenn es darum geht, neue Wege zu gehen, Vorschläge für Alternativen einzubringen, erfolgreicher Widerstand zu leisten oder den eigenen Einfluss besser einzusetzen.
Der verwirklichte Wert beschreibt all die Auswirkungen, die zu einer tatsächlichen Veränderung im Sinne der Sache führen. Diese hängen auch immer von den Zielsetzungen und Erwartungshaltung der Organisation ab.
Beispiele hierfür sind eine persönliche Leistungssteigerung, Erfolge und Errungenschaften, Zeit- oder Aufwandsersparnisse, Anerkennung von Führungsebenen und Beförderungen. Aber auch Anerkennung des Netzwerks bzw. der Community als etwas, das die Organisation ihre Ziele besser erreichen lässt.

Schleifen des Lernens

Nachhaltige Communities und Netzwerke sind zudem sehr gut darin, kurze und lange Schleifen zwischen diesen Dimensionen zu ermöglichen. Das bedeutet, dass unter den Mitgliedern ein Austausch zwischen diesen Wert-Dimensionen stattfindet. Das kann eine Geschichte (potenzieller Wert) über eine Idee, die aus der Community kam und in einem Projekt zu einer großen Auswirkung geführt hat (verwirklichter Wert) sein, aber auch Schilderungen, wie etwas nicht funktioniert hat — es muss nicht zwingend positiv sein. Entscheidend ist, dass eine Erkenntnis wieder als potenzieller Lernwert zurück in das Netzwerk oder die Community eingebracht wird. In der Praxis bedeutet das Räume, die nicht thematisch eingeschränkt sind, für den freien Austausch von Erfahrungen und Erlebnissen zwischen den Mitgliedern aufzuspannen und zu erhalten.